Ein Framework von Tools for Tomorrow

Piratize

Komplexe Systeme lassen sich nicht managen. Nur navigieren.

Piratize ist ein Framework für Handlungsfähigkeit in Ungewissheit. Es macht unternehmerisches Denken sichtbar, öffnet Möglichkeitsräume und übt ein, mit Ungewissheit zu gestalten — dort, wo Businesspläne versagen.

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Dunkle Segelschiffe im Nebel über einem leuchtenden Netzwerk

Was „Pirat" eigentlich heißt

Wage es.

πεῖρα — peira: versuchen, wagen. Em-peiría: Kenntnis durch Versuch, daher Empirie. Ex-perīrī: erproben, daher Experiment und Experte. Perīculum: Versuch und Gefahr in einem Wort. Und germanisch: fahren, Erfahrung, Gefährte. Die indogermanische Wurzel *per- trägt sie alle.

*per- vorwärts, hindurch, wagen peîra Versuch empeiría Erfahrung experīrī Experiment perīculum Gefahr Pirat einer, der es versucht

Piratize heißt: Wage es. Fahr los. Mach die Erfahrung.

Das Axiom

Schiff ist kompliziert. Meer ist komplex.

Ein Schiff hat viele Teile und ein Handbuch — kompliziert, aber beherrschbar. Ein Meer hat Strömungen, Wetter, Emergenz — befahrbar, nie beherrschbar. Die klassische BWL begeht hier einen schlichten Kategorienfehler: Sie behandelt komplexe Systeme wie komplizierte — und richtet damit beträchtlichen unternehmerischen Schaden an. Die Unterscheidung ist nicht schwer; sie wird nur verlässlich übersehen.

Handwerk im Schiff. Demut auf dem Meer.

Das Cynefin-Framework: klar, kompliziert, komplex, chaotisch

Cynefin (Snowden) sortiert, in welcher Art Lage du steckst — und macht sichtbar, dass komplexe und chaotische Gewässer andere Logiken verlangen als klare und komplizierte. Cynefin ist die Landkarte der Lagen, nicht die Navigation. Wie man im Komplexen tatsächlich handelt — bei Nebel, Sturm und Flaute — steht weiter unten.

Wohlands Taylorwanne: Manufaktur, Taylorismus, Netzwerk-Ökonomie
Wohlands Taylorwanne: von der Manufaktur über den Taylorismus zur Netzwerk-Ökonomie. Die roten Flächen sind die komplexen Anteile — sie wachsen wieder. Die Taylor-Periode ist ein 150-Jahre-Intermezzo.

Zwei Wege, dieselbe Bucht

Der Dualismus.

Dieselbe Bucht, dieselbe unerwartete Insel. Was die beiden Wege trennt, ist allein, wie sie mit ihr umgehen.

Weg 1: am SMART-Ziel wartet die Dynamitstange
Weg 1 — SMART-Ziel. Der Kurs steht fest. Die unerwartete Insel gilt als Hindernis auf dem Weg zum Plan — und wird weggesprengt. Plan vor Möglichkeit: klassische BWL.
Weg 2: aus dem unerwarteten Hindernis wird eine neue Ressource — Zitrone wird Limonade
Weg 2 — Polarstern. Den Polarstern im Blick: Das unerwartete Hindernis wird zur neuen Ressource — aus der Zitrone wird Limonade.

Die fehlende Hälfte

Pro-Aktion.

Die meisten etablierten Frameworks — Resilienz, Antifragilität, Lean Startup — trainieren Re-Aktionsfähigkeit: Anpassung, Schadensbegrenzung, Flexibilität. Piratize ergänzt die zweite Hälfte: Pro-Aktionsfähigkeit — neue Möglichkeitsräume öffnen, Verbindungen bauen, Sog erzeugen.

Re-Aktion rettet dich durch den Sturm. Pro-Aktion bringt dich in neue Gewässer.

Pro-Aktion ist dabei keine Heldentat, eher Bedingungs-Gärtnerei: Man baut das Feld, auf dem Neues ansteckend werden kann.

Was Piratize eigenständig macht

01Polarstern vor PlanRichtung vor Roadmap. Waypoints statt OKRs.
02Halte die SchwelleLiminalität als eigene Kompetenz — handlungsfähig bleiben, wenn das Alte weg und das Neue noch nicht da ist.
03Hauptschiff & DinghysStrukturelle Ambidextrie: Das Hauptschiff hält den Betrieb, die Dinghys erkunden.
04AtolleVerflochtene, gegenseitig tragende Module. Skalenfrei — gilt für zwei Leute wie für ein Netzwerk.
05Varietät × Kohäsion × ModularitätDie Resilienzformel. Multiplikativ: Fehlt ein Faktor, kollabiert das Ganze.
06Sog erzeugenKipppunkt-Mechanik: Rund 25 % engagierte Leute genügen, um eine Konvention zu kippen (Centola et al., 2018).
07FlautenkompetenzDer blinde Fleck fast aller Innovations-Literatur — und der Punkt, an dem die meisten Transformationen scheitern.

Nebelkompetenzen · zum Selbermachen

In welchem Wetter steht ihr gerade?

Drei Wetterlagen, drei Probleme, drei erste Züge. Nebel: du siehst nicht weit genug. Sturm: zu viel auf einmal. Flaute: nichts zieht mehr. Tipp deins an.

Nebel, Sturm, Flaute — die drei Wetterlagen

Tipp dein Wetter an — du bekommst sofort den ersten Zug.

Nebel — das Sichtproblem

Du weißt nicht, was kommt. Trotzdem handeln.

Du siehst nicht weit genug, um einen ganzen Kurs zu planen. Die Logik ist: erst probieren, dann erkennen, dann antworten.

  • Benenne den Nebel: fehlt dir die Wahrscheinlichkeit, die Wirkung, die Zukunft, die Deutung oder die Orientierung?
  • Setz einen Waypoint: den nächsten Punkt, den du erreichen kannst, um den übernächsten zu sehen. Nah genug zum Erreichen, weit genug zum Lernen.
  • Setz ein Dinghy aus: das kleinste Ding, das dir in sieben Tagen eine echte Information zurückbringt.
  • Prüf den leistbaren Einsatz: Was darf dieses Dinghy im schlimmsten Fall kosten — und wäre das okay?
  • Komm zurück und peil neu. Jeder erreichte Waypoint ist der Ausgangspunkt für den nächsten.

Beispiel. Ihr überlegt, ein neues Angebot zu machen, wisst aber nicht, ob es nachgefragt wird. Statt ein halbes Jahr Konzept zu schreiben: nächste Woche ein 90-Minuten-Test mit acht Leuten, die ihr eh kennt. Wie sie reagieren, ist eure Information für den nächsten Schritt.

Sturm — das Kraftproblem

Zu viel auf einmal. Gezielt handeln.

Es passiert zu viel gleichzeitig, alle stehen unter Druck. Jetzt zählt vor allem eine klare Reihenfolge.

  • Sprich den Sturm aus: „Wir sind im Sturm." Benennen gibt Halt, Verharmlosen verschärft.
  • Crew-Sicherheit zuerst: Was darfst du jetzt opfern, was auf keinen Fall? Der Kurs darf verloren gehen, die Menschen nicht.
  • Segel reffen: Was läuft weiter, was pausiert. Nicht alles gleichzeitig am Laufen halten.
  • Intention klar, Initiative dezentral: Sag Wohin und Warum, nicht Wie. Im Sturm ist keine Zeit für Rückfragen.
  • Erlaub euch, ehrenhaft zu versenken: Was muss aufgegeben werden, damit das, was bleibt, überlebt?

Beispiel. Zwei Großprojekte, ein Krankheitsausfall und ein abspringender Kunde in derselben Woche. Sag dem Team offen, dass ihr im Sturm seid, leg fest, welches Projekt jetzt ruht, und gib Richtung statt Detailansagen — den Rest entscheiden die Leute vor Ort.

Flaute — das Bewegungsproblem

Nichts zieht mehr. Aus eigener Kraft handeln.

Kein Wind, kein Anlass, nichts bewegt sich. Die Flaute ist der blinde Fleck fast aller Frameworks. Wichtig: hier wird diagnostiziert, nicht motiviert.

  • Lass die Flaute zu. Keine künstliche Dringlichkeit inszenieren — eine Flaute ist ein Zustand, kein Versagen.
  • Finde heraus, welche es ist: Erschöpfung, Bürokratie, Sinn oder Erfolg. Die vier sehen sich ähnlich, brauchen aber jeweils ein anderes Werkzeug.
  • Wähl das Werkzeug: Erschöpfung braucht einen Hafen. Bürokratie braucht Rebellion. Sinn braucht Arbeit am Polarstern. Erfolg braucht einen neuen Handlungsanlass.
  • Mach den Lackmus-Test: Was passiert, wenn niemand handelt? Wenn die Antwort „nichts Schlimmes" ist, hast du keine Flaute, sondern Reife.
  • Eine erste, leistbare Handlung. Nicht das ganze Programm, nur den ersten Zug.

Beispiel. Ein Team liefert seit Monaten zuverlässig, aber lustlos. Sieht aus wie Faulheit, ist aber Erfolgsflaute: Das alte Ziel ist erreicht, ein neues fehlt. Die Antwort ist kein Antreiben, sondern ein neuer Handlungsanlass, an dem wieder etwas zieht.

Der erste Zug ist gratis. Für die ganze Fahrt: die Kaperfahrt, unten bei den Angeboten ↓

Das Gerüst

1 Axiom. 4 Haltungen. 13 Prinzipien.

Das Axiom steht oben: Schiff ist kompliziert, Meer ist komplex. Darauf sitzen vier Haltungen — und dreizehn Prinzipien, geordnet auf fünf Ebenen von dir nach außen.

Haltung 1

Rebelliere mit Richtung

Status quo herausfordern und eine bessere Alternative nebenstellen. Rebellion ohne Alternative ist Vandalismus.

Haltung 2

Verteile Macht

Macht, Geld, Verantwortung und Anerkennung fair teilen — verhindert, dass Pro-Aktion in Machtgeilheit kippt.

Haltung 3

Organisiere in Crews

Kleine, selbstwirksame Einheiten mit Checks and Balances. Skalieren durch Kopplung, nicht durch Wachstum.

Haltung 4

Erzähle das Neue

Symbole, Botschaft, Sichtbarkeit — ohne das Erzählen bleiben selbst gelungene Experimente unskalierbar.

Die dreizehn Prinzipien, zum Durchtippen — fünf Ebenen, von innen nach außen:

Das Fundament

Wissenschaft unterm Kiel.

Piratize verwebt mehrere Forschungsstränge zu einer eigenständigen Praxis: Frank Knights Unterscheidung von Risiko und Ungewissheit, Saras Sarasvathys Effectuation-Forschung, Dave Snowdens Cynefin, Edwin Hutchins’ verteilte Kognition, die Liminalitätstheorie von van Gennep und Turner, die Kybernetik von Ashby bis Meadows — und historisch die Republic of Pirates, Nassau 1713–1718.

Kein Pirat weiß den Kurs. Das Schiff weiß ihn.

Edwin Hutchins hat Navigationsteams auf Schiffen untersucht: Der Kurs steckt nicht im Kopf der Kapitänin, er entsteht im Zusammenspiel von Crew, Werkzeugen und Routinen. Deshalb ist die Schiffsmetapher kein Bild, sondern Fundierung — und Kohäsion keine Wohlfühlsache, sondern kognitive Infrastruktur.

Knight 1921 · Risiko ≠ Ungewissheit Sarasvathy Effectuation Snowden Cynefin Hutchins Cognition in the Wild Turner Liminalität Meadows Systems Thinking Conniff Be More Pirate Centola 2018 · der 25-%-Kipppunkt Nassau 1713–1718

Die Bibliothek hinter dem Framework

Die Leseliste.

Die Bücher, die Piratize gebaut haben. Jedes trägt einen Gedanken, den die anderen nicht ersetzen.

Du musst nicht alle lesen. Jedes Buch steht für einen Baustein des Frameworks.

Wer dahinter steckt

Ich bin Segler. Und zwar richtig.

Simon Steiner

Südatlantik, wochenlang kein Land. 2016 wurde ich auf St. Helena ausgesetzt, weil ich an Bord gemeutert hatte. Zwei Jahrhunderte vorher war mein Ur-ur-ur-Großvater Theodor Cordua auf derselben Insel, als Napoleon dort gefangen saß. Das offene Meer war für mich Inspirationsquelle und Unternehmerschule zugleich — Ungewissheit, Sturm, Nebel und Flaute lernt man dort draußen am unmittelbarsten. Genau daraus sind die Prinzipien von Piratize abgeleitet.

An Land heiße ich Simon Steiner: Innovationsstratege, Speaker und Hochschuldozent (ESCP, TU Berlin, HPI Academy), Gründer der Tools for Tomorrow GmbH. Über 300 Workshops, Vorträge und Seminare in Konzernen, Mittelstand, Verwaltung und Sozialwirtschaft — und all das fließt in Piratize.

St. Helena — Blick auf die Insel
St. Helena, einer der abgelegensten Orte der Welt. Rund zwei Jahrhunderte nach Napoleon und meinem Vorfahren Theodor Cordua wurde ich hier nach einem heftigen Sturm und einer Meuterei an Bord ausgesetzt — und hier sind die Grundlagen für Piratize entstanden.

Mit uns segeln

Die Angebote.

Piratize kommt zu euch — als Workshop, als Impuls oder als Begleitung. Alles über die Tools for Tomorrow GmbH, alles von Simon Steiner persönlich.

Workshop · In-House

Die Kaperfahrt

Ein Tag, deine Crew, echte Vorhaben. Wetter-Diagnose, Bucht-Leinwand, Effectuation am eigenen Fall — und zum Schluss der Sofort-Start: eine Sache, die jede:r in den nächsten sieben Tagen tut, ohne auf jemanden zu warten.

Erprobt mit Führungsrunden · ab Halbtag bis Zweitäger
Vortrag · Keynote

Schiff oder Meer

Der Impuls in 45–90 Minuten: das Axiom, der Dualismus, die drei Wetterlagen. Für Führungsrunden, Offsites und Konferenzen — als Auftakt, der die Kategorien sortiert, bevor die Arbeit beginnt.

Vortragsdetails auf simonsteiner.de →
Sparring · Begleitung

Durchsegeln

Für einzelne Vorhaben und die Menschen dahinter: dein Fall, in Ruhe durchgesegelt — vom Hafen über die Wetter-Diagnose bis zum ersten Zug. Als einzelne Stunde oder als Etappenbegleitung.

1:1 oder kleine Crew · online oder vor Ort
Unverbindlich starten. 30 Minuten, direkt im Kalender — wir schauen auf euer Wetter und ob Piratize passt.
Termin buchen →

Lieber schreiben? hey@tomorrow.tools

Zum Mitnehmen

Die Werkzeuge.

Vorlagen zum Nachdrucken — als A4 oder groß auf A1/Brownpaper. Und der Planer, mit dem du eigene Workshops baust.

Bucht-Leinwand Das zentrale Werkzeug: der Möglichkeitsraum als Großformat. Für Offsites, den Quartalskurs oder als Ersatz fürs Durchplanen ganzer Jahre. Frei, ohne Anmeldung. ↓ Bucht-Leinwand (PDF)
Das Template-Set Kaperfahrt-Karte, Drei-Wetter, Effectuation-Fragen, Schiff-vs-Meer und Sofort-Start — das komplette Set gegen eine kurze Mail. Kommt als Antwort, persönlich. Set anfordern →
Facilitools Unser Workshop-Planer: Agenda bauen, Methoden wählen, sauber exportieren. Die Kaperfahrt als fertige Agenda-Vorlage ist in Arbeit — der Planer läuft schon. facili.tools öffnen →

Bird-in-Hand · jetzt gleich

Fang bei dem an, was im Hafen liegt.

Die drei Fragen, mit denen jede Kaperfahrt beginnt. Trag sie ein, dann hast du deinen Startpunkt notiert. Bleibt im Browser, wird nirgends hingeschickt.

Das Standortbestimmungs-Rad. Ein Prototyp, ehrlich gesagt: noch roh, aber spielbar. Schätz ein Vorhaben ein — wo stehst du bei Chance, Angebot und System? Dreh dran und sag uns, was hakt.
Rad öffnen →

Für die Pinnwand

Wenn nur drei Sätze hängenbleiben.

01

Ein komplexes System versteht man nur, indem man mit ihm interagiert.Dave Snowden

02

Nur Komplexität kann Komplexität reduzieren.Niklas Luhmann, 1984

03

Den Kurs hält das ganze System: Crew, Werkzeuge, Routinen.nach Edwin Hutchins, Cognition in the Wild

Dranbleiben

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